meine Erinnerungen

die Zeit damals war zu schön um sie zu vergessen

Hausmusik a capella

Das große Los meiner Eltern hatte sich für uns 4 Kinder bezahlt gemacht, denn wir verbinden noch heute unsere Kinder- und Jugendjahre mit dem Haus. Wir sind mit ihm gewachsen und viel eindruckvolles was wir erlebten, spielte sich im Haus ab.

So auch viele Familienfeiern mit der hausgemachten kulturellen Umrahmung. Ein wichtiges Hilfsmittel war das Tonbandgerät. Es gehörten Paula und Pfiffi, unsere Nachbarn und ehemalige Mitschüler meiner Mutter. Die beiden waren ein fast kinderloses Paar – der einzige Sohn war schon erwachsen. Deshalb konnten sie sich leisten, was meine Eltern als kinderreiche Familie nicht leisten konnte. Zur Feier brachten sie das Tonbandgerät mit und bespielten die Familienfeiern mit der abgezogenen und quietschenden Musik von Radio Luxemburg, den wir nur über Kurzwelle hören konnten.

Im fortgeschritteten Stadium ging die Feiergemeinschaft dann zur hausgemachten Klängen über – sprich a cappela Gesang. Nach den Genuß der schöngeistigen Getränke war der nötige Mut vorhanden, doch dämmte sie die Scham nicht komplett ein. Der Vorhang, eine alte Decke, der zwischen Wohnzimmer und Flur hing – er sollte die kühle Luft das Hauses nicht ins Wohnzimmer lassen – wurde zum Schutzwall für den “Künstler”.

Der ging mit den Mikro in der Hand hinter den Vorhang und sang hinter der dicken Decke sein Lied. Wähernd er sang, mußte es ganz still sein, damit keine zusätzliche Geräuschkulisse mit auf´s Band kam. Es lauschten alle gespannt und das spannte den Bogen der Aufregung noch weiter auf.

Als der a Capalla Gesang dann auf Band festgehalten war, begann der lustigste Teil für die Feiergemeinschaft. Die Aufnahme wurde abgehört und jeder konnte sich über jeden halb tod lachen.
Ich erinnere mich noch daran, dass mein Vater sich besonders zierte und es dauerte lange, bis die Feiergemeinschaft ihn überzeugen konnte, auch mal das Mikro in die Hand zu nehmen.

Dann endlich war es soweit und er nahm das Mikro in die Hand. damit ging er nicht nur hinter den Vorhang, sondern auch gleich in den Flur und schloß die Tür zwischen Wohnzimmer und Tür so weit, dass grade mal das dünne Kabel vom Mikro nicht gegeknickt wurde und er sag ein Lied aus alten Zeiten, das heut wohl kaum noch einer kennt. “Roter Mohn, warum welkst du denn schon”

Aber weil mein Vater das Lied damals sang, bliebt es mir bis heut noch in Erinnerung. In Internet fand ich eine Version von Max Raabe – sie ist hier zu hören.

Natürlich klingt Max Raabe nicht so schön, wie damals mein Vaters  mit seiner Stimme. Aber das ist sicher klar, denn ich hatte meinen Vater für seinen mutigen Auftritt – in meinen Augen – bewundert.
Es war immer ein ungeheurer Spaß, den uns damals die neue Technik möglich machte 

Juni 19, 2009 - Verfasst von nordstrahl | Uncategorized | | Noch keine Kommentare

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